Hundeerziehung – Viel mehr als nur “Sitz” und “Platz”

Ein Welpe ist nicht nur ein niedlicher Zuwachs für die Familie, er bringt auch eine ganze Menge Arbeit mit ins Haus. Wer sich nicht damit abfinden möchte, für den Rest des Hundelebens angesprungen und abgeleckt zu werden und darauf achten muss, nichts in Reichweite des Tieres stehenzulassen, da es ansonsten weggeschleppt, gefressen oder kaputt gemacht wird, sollte sich frühzeitig mit dem Thema Erziehung befassen.
Dabei lernt nicht nur der Welpe, was erlaubt ist und was nicht, sondern die gemeinsam investierte Zeit wirkt sich außerdem positiv auf die Beziehung zwischen Hund und Halter aus. Auch bei bereits älteren Hunde, die in ihrem Verhalten festfahren scheinen, ist nicht alles verloren. Wer konsequent, aber liebevoll mit seinem Vierbeiner umgeht, hat bald einen wohlerzogenen Freund an seiner Seite.
In diesem Artikel werden verschiedene Aspekte der Hundeerziehung und ihr positiver Einfluss auf Tier und Besitzer näher erklärt. Außerdem wird auf Unterschiede zwischen verschiedenen Rassen eingegangen, die die Erziehungsmethoden beeinflussen können.

Geschichte der Hundeerziehung

Die Erziehung eines Hundes hat sich erst in letzten 30 Jahren wirklich verändert. Zuvor fand sie kaum statt. Ein Hund wurde nebenbei erzogen, ohne sich besonders darauf zu konzentrieren oder Zeit und Kraft zu investieren.
Meistens war körperliche Züchtigung dabei enthalten. Tat der Hund nicht, was man von ihm wollte, gab es Schläge oder Tritte. Der sich dabei einstellende Erfolg ist durch Angst des Hundes vor weiteren Schmerzen zu erklären und sollte heutzutage nicht mehr genutzt werden.
Mit der Zeit verschwanden die Schläge langsam aus der Erziehung. Hunde wurden mehr als Familienmitglieder und nicht mehr nur als Hoftiere betrachtet. An ihre Stelle trat das Ignorieren. Tat der Hund nun etwas, was er nicht sollte, wurde er ignoriert. Doch auch das führte nicht zu dem gewünschten Erfolg. Zwar fürchtete der Hund seine Besitzer nun nicht mehr, stattdessen zerkaute er weiterhin Schuhe. Etwas anderes musste her. Etwas, das die Beziehung zwischen Mensch und Hund stärkt, aber auch die Schuhe schont.
In den 80er Jahren schwappte aus den USA langsam das Konzept der positiven Bestätigung rüber. Auch das Clickertraining wurde in dieser Zeit zum ersten Mal in Deutschland bekannt und erfreut sich in den letzten Jahren immer mehr Beliebtheit.

Positive Bestätigung

Bei der positiven Bestätigung geht es darum, erwünschtes Verhalten überschwänglich zu loben und den Hund mit Streicheleinheiten, Leckerlis und Spielen zu belohnen. So lernt der Hund, dass etwas Schönes passiert, wenn er Kommandos befolgt oder an lockerer Leine spazieren geht. Dadurch ist er viel eher bereit, dies auch zu tun, wenn er in eine Situation gerät, die ihn unter Stress setzt.
Beispielsweise erhält der Hund jedes Mal Leckerlis und wird ausgiebig gestreichelt und gelobt, wenn er kommt, sobald man seinen Namen ruft, ist die Chance, dass er dies auch tut, wenn ein Reh den Spaziergang kreuzt. Weiß der Hund, dass nichts Positives auf ihn wartet, wenn er dem Ruf des Besitzers folgt, hat er auch keinen Grund, diese Jagdbeute aufzugeben.
Ein anderer, nützlicher Anwendungsbereich findet sich im Haushalt. Fällt beim Kochen etwas herunter oder wirft ein Kind etwas zu essen auf den Boden, ist ein Hund schnell zur Stelle. Wurde ihm zuvor beigebracht, auf dem Boden liegendes Futter nur dann anzurühren, wenn der Besitzer es erlaubt, hat das gleichzeitig Vorteile für den Hund. Nicht alles, was der Mensch isst, ist auch für einen Hund geeignet. Um einem Hund dieses, zugegeben schwierigere, Kommando beizubringen, sollte man ihm zur Belohnung nicht nur das am Boden liegende Futter geben, sondern zusätzlich etwas Besonderes. So lernt der Hund, dass das Warten sich lohnt. Auch wenn es im Alltag zu so einer Situation kommt, sollte der Hund immer ausgiebig belohnt werden, wenn er sich an den beigebrachten Befehl hält.

Clickertraining

Hundetraining durch positive Bestätigung wird häufig durch den Clicker ergänzt. Das ist ein kleines Utensil, häufig aus Plastik, mit einem Metallstück, welches sich verbiegen lässt. Dabei entsteht ein klickendes Geräusch, was dem Clicker den Namen gibt.
Dieser Clicker wird benutzt, um präzise erkennbar zu machen, wenn der Hund das tut, was man vom ihm erwartet. Möchte man, dass er lernt, auf Kommando zu springen, ist der Moment, in dem der Hund ganz in der Luft ist, so kurz, dass es schwierig ist, ihn durch Loben durch Worte für den Hund deutlich zu machen. Das Klicken vereinfacht dies. Alle vier Füße heben vom Boden ab? Klick – Lob – Leckerli. Hunde verbinden den Klick sehr schnell mit dem direkt darauf folgenden Lob und verstehen, dass er den Zeitpunkt markiert, der dieses ausgelöst hat.
Häufig wird der Clicker außerdem eingesetzt, um den Hund selbst arbeiten zu lassen. Er soll selbst herausfinden, was er tun muss, um ein Leckerli zu erhalten. Der Lernerfolg wird dadurch verstärkt.

Gemeinsam Trainieren in der Hundeschule

Egal ob Welpe oder älteres Tier – ein Besuch in der Hundeschule hat noch niemandem geschadet. Neben wertvollen Tipps eines Trainers können die Hunde hier auch soziale Kontakte knüpfen oder in Sportarten gefördert werden.
Ein gleichermaßen durch geistige und körperliche Betätigung geförderter Hund zeigt deutlich ausgeglicheneres und besser zu kontrollierendes Verhalten, als beispielsweise ein gelangweiltes Tier. Letztere suchen sich ihre Beschäftigung irgendwann selbst, zerkauen Schuhe oder stiften anderweitig Unordnung. Ausgelastete Hunde sind zufriedener und können mit Ruhepausen besser umgehen.
In einer Hundeschule können zudem spezielle Kurse mit unterschiedlichen Schwerpunkten besucht werden. Hundetraining, bei dem besonders die Sozialisierung oder der Grundgehorsam geübt werden sowie Vorbereitungskurse auf den VHD-Hundeführerschein. Auch Sportarten für Hunde gibt es. Bei Agility muss der Hund einen Parcours überwinden und wird dabei durch verschiedene Kommandos seines Besitzers angeleitet. Auch die Fährtensuche ist für die meisten Hunde eine spannende Aufgabe.
Da der Beruf des Hundetrainers nicht geschützt ist und deshalb jeder, auch ohne eine Ausbildung in dem Bereich zu haben, eine Hundeschule eröffnen kann, ist unbedingt zu empfehlen, dass Interessenten sich gründlich über die Schulen in ihrer Umgebung informieren, um nicht an jemanden zu raten, der nur das schnelle Geld wittert.

Auf die Rasse kommt es an

Bei den über 360 verschiedenen Hunderassen, die die FCI (Fédération Cynologique Internationale – internationaler kynologischer Verband) mittlerweile anerkannt hat, ist es nicht verwunderlich, dass es unter ihnen einfacher und schwieriger zu erziehende Exemplare gibt. Die Sturheit oder Willensstärke, die bei manchen Rassen stärker ausgeprägt ist und eine Erziehung erschweren kann, kann sich durch Zufall entwickelt haben. Ebenso ist es jedoch auch möglich, dass es sich um eine gewollte Eigenart der Rasse handelt. Beispielsweise wird von Jagdhunden deutlich mehr Selbstständigkeit erwartet, da sie häufig weit ab ihres Besitzers Entscheidungen fällen müssen, als von speziell für Familien gezüchtete Begleithunde. Diese sollen möglichst fügsam sein, um das Zusammenleben zu vereinfachen.

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